Palma Pact

GedankenLos

Jetzt oder Nie!

Wenn die Propaganda ekelhaft schreit, wütet und einschüchtert und droht, sogar um sich beißt, brüllt keiner zurück, traut sich niemand, schon gar nicht die Künstlerschaft, sich entgegenzustemmen. Aufrecht und besonnen, mit Liebe in sich ruhend, geduldig mit Sachverstand, dieser gewaltigen aggressiven Stimme, die alle Vernunft gegen sich vereint anderen verbietet, ihr mit Wahrheit zu begegnen.
Nicht einmal in dem Maße, wie es geboten wäre, dass man sich zur Wehr setzte, weil eine durchaus größere Gefahr sich anbahnt und sicher kommen wird, oder schon da ist, für alle niederschmetternd und lebensbedrohlich. Und die alle wohlgesinnten Ideen und Hoffnungen zerstören wird, und das für sehr lange Zeit.
Die das ganze Land in den Ruin treibt und diese Bevölkerung in die Depression zwängt, Menschen tötet, Kinderfreuden zertrampelt – diese Stimme, die nur sich selber liebt, keine andere Herrschaft duldet. Längst Geschundene am liebsten zu knechten vermag, die immer nur degoutant brüllt:
»Friss oder stirb! Nimm das oder leide dich zu Tode, du nutzloses Stück Volk!«
Spätestens dann, oder besser jetzt, ist mutig Handeln geboten, sich Wirklich-Wehren-Werte-Wahren gegen das radikale Bösartige. Gegen Unrecht und gegen das Unheil, das von dieser inkurablen Stimme ächzt, dieser ekelhafte Gestank – das ist der niedere Geist der Propaganda, der sich im Spiegel nicht erkennt.

Utopia Hey

Wer nicht am Virus stirbt, stirbt vielleicht aus Angst. Wer nicht aus Angst stirbt, stirbt vielleicht an Depression. Wer nicht an Depression stirbt, stirbt wahrscheinlich aus Verzweiflung. Wer nicht aus Verzweiflung stirbt, stirbt sicherlich an Hunger, denn er hat weder einen Job noch Geld, um Essen zu kaufen. Hey – mach dir nichts daraus, es kommen noch andere Zeiten!
Wenn es weder Jobs noch Bargeld gibt, gibt es zum Glück Digitales. Wer aber weder ein digitales Geldkonto noch ein geimpftes Implantat hat, der lebt nicht mehr. Hey – du hast die freie Wahl, du kannst Selbstmord begehen, das ist nicht schwer. Willkommen in dieser schönen neuen Welt, die dich sehnsüchtig erwartet. Freu dich sehr und fürchte dich nicht, denn es wird für dich gesorgt, und … Hey – wer dann noch existiert, der wird sehr fein kontrolliert, das ist sicher!
Das ist die Frohe Botschaft, die ich euch überbringe – in Liebe, euch seelenlos Verlorenen, die ihr dann sein werdet – krank oder besser leblos in alle Ewigkeit! Hey – aber warte, wir sind noch nicht am Ende – auch wenn du schon verloren bist, ist das noch lange kein Grund zur Trauer, denn wir brauchen nur deinen Körper als »Living Currency« – zum Schürfen der schönen neuen Digital-(Kryptowelt-)währung – und … Hey – das ist die Bewegung, die uns alle glücklich macht – darauf ein fröhliches hip hip hooray!

Nie wieder zurück

Das Kind steht da, einsam, auf dem Asphalt ohne Staub und schaut auf seine neue Welt. Ist es die Kälte, die es spürt oder ist es diese stille Sauberkeit, die überall klebt, ordentlich, so weit das Auge reicht. Ungewollt neu und fremd diese Straßen, diese Häuser, dieses gelobte Land. Keine Feigenbäume mit saftigen Früchten, nirgendwo, keine Spielkameraden nah und fern, niemand, der seinen Namen ruft, keine vertrauten Gerüche, keine bekannten Geräusche links und rechts. Nur eine Stimme, die erklingt, von der Mutter mit dem Zeigefinger, laut und schwer, von oben herab:
»Du bist jetzt allein, nimm diesen Schlüssel hier, bind dir den um den Hals und verlier dich nicht!«
Auf die Mutter wartet das Kind, wartet und wartet, doch die Uhrzeiger rühren sich nicht. Die einzigen Freunde sind Lolek und Bolek, in einer braunen Flimmerkiste leben sie ihr Spiel, zu zweit. Das Kind spielt „Guck aus dem Fenster“, allein, gepolstert auf einem Kissen, der einzige Trost, als auf einmal ein blonder Junge unter dem Fenster erscheint, sich erschrickt und fragt:
»Bist du ein Ausländer oder woher kommst du?« Aus dem Fenster antwortet das Kind:
»Warte, ich rauskommen, spielen, Abenteuer!«
»Geht nicht«, erwidert der Junge streng, »ich muss nach Hause, es gibt gleich Abendbrot, da kannst du nicht mit!«

Jetzt und für immer

Von allen Dingen, die ich sah, ist sie das Vollkommenste, fürwahr. Sie ist wunderschön, durch und durch, geheimnisvoll, weit und fern – und dennoch nah. Sie ist das Hell wie auch das Dunkel, das Hoch und das Tief, das Leiden und der Trost, dennoch fröhlich und wundersam in Gestalt.
Wie das Lachen, das Heil und das Gemüt, das die Schwere nicht hat, die mein Herz so wiegt. Vielmehr die Leichtigkeit ist, die sie beflügelt, zart wie ein kleines Vögelchen, das von Ast zu Ast fliegt. Hier und da und dort – und manchmal … fort!
Es ist die Liebe, die ich sah, die ich leben will – Jetzt, ganz und gar.

Von Außen wie Innen

Wer weiß schon, wohin die Reise geht, als wir in jener Zeit lebten, die sicher nicht wiederkehrt, weil wir sie auffraßen wie wild hungrige Menschen. Weil wir ungute, aber bunte Träume schliefen in vertrauter Gefangenschaft, in unbestimmter Vorahnung an das morgen in abwechselndem Grau zu Grau. Schweißgebadet und tiefschwarz in der Nacht, unendlich verängstigt, hörten wir Stimmen in Watte verpackt, dumpf und pochend das kleine Herzchen, der Klang sich rasend steigerte, Oh Wunder Schmerz – Bitte, lass nach. Leise aber deutlich verloren wir allmählich und sicher den Verstand, das Gehör, das hohe Piepsen in der Muschel dennoch blieb. Durchaus für immer, wie diese Schreie in weiter Ferne, ebenso dieses berauschende Kreischen, das uns zu umzingeln vermag.
Nahezu vergeblich, als dann in einem Augenblicke so zart wie Schokolade, bittersüß der Nachgeschmack von Blut, metallisch sauer, auf der Zungenspitze und nicht nur auf unseren Lippen, sondern auf unserer Haut gleichsam klebte. Aus unseren Ohren floss diese Flüssigkeit eitrig zäh, übelriechend der Gestank dieser heimatlosen Seelen ohne Halt und Bedeutung. Laut und jammernder, als eine Stimme sich erhob, lobpreisend ihr ganzes Heil der vergessenen Jugend geschuldet, aus verbittertem Herzen und mit gequältem Sprechorgan sprach, wie ein ewig wiederkehrendes und verweilendes Echo:
»Hätte ich lieber einen schweren Stein geboren, wäre mein Leben leichter geworden!«
buraya gel - git - şaka yapma!

Wie unten so oben

Es ist der Tag der Befreiung, so denkt der Überbringer, ein Kind in sich versinkt, gerüttelt von der Botschaft schwer, als es tief in den Abgrund rutscht, in ein schwarzes Loch ohne Wiederkehr. In einem eisernen Käfig, dunkel, wie ein Bergmann in den Schacht fährt, allein, bleiern dumpf, das kleine Herz wild pochend in Gedanken leer. Verängstigt und schreiend nach der Mutter, die sie nicht ist, fällt das Kind in die Grube immer mehr.
Am Boden zerschmettert wacht es auf, das verschmutzte Kind, erleichtert und froh, dass es lebt, schaut es nach den Kameraden. Außer staubigem Grund unter den kleinen Füßen gibt es nichts, es hört nur den Überbringer mit der Nachricht am Ohr:
»Schau, es ist ein glücklicher Tag für dich, du fährst ins gelobte Land, da gibt es mehr.«

Allein

Es ist dein unstillbarer Drang nach Liebe, jene Sehnsucht, die dich trieb, losgelöst von ihr und verzweifelt zugleich, nach Rache. Am Scheidepunkt der Gedanken, wo du Gerechtigkeit suchtest, dieser Moment wurde dir zur Gewissheit. Es ist die Einsamkeit, die dich umgibt, dein ewig ständiger Begleiter, du wirst ihr nicht mehr entkommen.
So lasse alle unguten Erinnerungen los, finde deinen Platz, denn du bist angekommen!

Die Kinder

Die Zeit vergisst ihre Kinder. Aber die Kinder nicht den Moment, als er sie berührte. Der große Mann, dieser mächtige Vater, der nachts zu ihnen kam. Auf leisen Sohlen, aufgeregt und mit schlechtem Atem.
Wenn er seine Hand ausstreckte und sie dort berührte, wo sie sich manchmal selbst nicht trauten. Und wenn, mit einem komischen Gefühl, als hätte eine seltsame Leier das falsche Lied angespielt, bei dem es einem schwindelig wird. Und übel. Und die falsche Scham.
So ist es, und so wird es immer sein!
Bis einer den Stecker herauszieht.
Nur wer soll das sein?
Und was geschieht dann?

Erinnere Dich

Die Zeiten erinnern mich daran, dass ich mich an gewisse Zeiten erinnerte. Das alles besser war. Das alles anders war. Das auf die eine oder andere Weise irgendetwas war, in jedem Fall anders. Ich erinnerte mich daran, dass ich mich nicht mehr genau daran erinnere. An dieses Gefühl, wie es einmal war, als ich mich etwas genauer daran erinnerte. An jene Zeiten, in diesen Momenten. In der verlassenen Einsamkeit, in meiner eigenen. Die ich selbst gewählt hatte, damals!
Oder wann genau?
Was war die Erinnerung wert damals, sie war ja nicht einmal geboren! Jetzt, wo ich sie dringend brauche … ich weiß es nicht!
Ich kann mich nicht mehr daran erinnern, wie es einmal war, als ich mich daran erinnerte, dass etwas schön war, ehrlich gesagt zutreffend heilsam und durchaus anders war, ganz anders sogar. Und wer ich war und wer ich sein würde.
Ja genau, so war das!
Aber, war das damals erwiesenermaßen alles besser?

Luises Weg

Wenn du daran denkst, wie es einmal war, denkst du daran, wie es sein würde. Diese Bilder brannten sich für immer in deine Seele ein, in dein Gewissen, in Fleisch und Blut, vollkommen verwerflich und doch unverdientermaßen. Heilung, Rückkehr und Vergebung sagtest du ade, denn du wünschtest es so! Genau so!
Es brennt in dir, unauslöschlich.
Doch wenn du daran denkst, wie es werden wird, wenn du diese Flammen löschst, denkst du daran, wie es sein würde, wenn du lieber davongelaufen wärst. Doch jetzt ist es zu spät, du bist fest entschlossen, in das Feuer deiner lodernden Seele zu greifen, nach deinem eigen Fleisch und Blut, nach dem Kind, das der Mann dir schuf! Und du weißt, dass du dich verbrennen wirst, aber du wünschtest es so! Genau so!
Es brennt in dir, immer mehr.
Wenn du daran denkst, wie alles geschah, als er dich verfolgte, überwältigte und dich nahm, wie ein Stück etwas, das nicht ein Teil von ihm war. Doch in diesem Moment hattest du Glück, es kam dir zur Hilfe euer eigen Fleisch und Blut, denn diese Hand gab dir ein Ding, etwas Gewaltiges, Explosives … ein lauter Knall, und vorbei war der Spuk! Jetzt bist du froh und zusammen lauft ihr fort, mit deinem Kind in ein neues Leben, Hand in Hand, die Wut ist erloschen, der Geist ist frei, einfach so.
Es brennt in dir, nimmermehr!

Die Geschichte unter dem Tisch rollen

Ich sehe einen großen weißen und kargen Raum. In der Mitte des Raums steht ein langer Tisch, es handelt sich um einen Esstisch, so etwa sechs Meter lang. Der Tisch hat kurze Beine, ungewöhnlich kurz. Unter dem Tisch liegt, in etwas abgewandelter und in ungewohnter Formgebung, ein scheinbar bequemer, flacher und aufgepolsterter Rollwagen, ähnlich einem, der üblicherweise in Kfz-Werkstätten benutz wird.
Wie seltsam, denke ich.
Ich beobachte, wie Menschen den Raum betreten, erstaunt darüber, welchen Nutzen diese beiden Gegenstände in Verbindung miteinander haben könnten. Man kommt schnell auf die Idee, dass man sich auf diesen Wagen unter den Tisch legen würde. Und so geschieht es dann und ich lege mich vorsichtig auf den Rollwagen, der erstaunlicherweise recht bequem ist, wie ein genug gepolsterter Sarg. Unter dem Tisch erblicke ich einen Text, der auf die grobe Unterseite der Tischplatte eingeritzt ist und diese komplett ausfüllt. Ich versuche, diesen Text zu entziffern, in dem ich mich nach und nach langsam nach vorne rolle, mit den angewinkelten Beinen auf den Füßen abstützend, manchmal ebenso hin und her und wieder zurückrollend.
Um welche Geschichte handelt es sich hier, frage ich mich und wache zum Glück auf, bevor die schwere Platte auf mich herabstürzt und mich erdrückt.

Zeit

Es ist die Zeit. Sie ist reif.
Es ist die Zeit, die mich treibt, dich zu finden und mit dir zu sein, dich zu lieben und dich zu vermissen. In einem Augenblick etwas einzufangen, in dem etwas dich umschmeichelt.
Du weißt, für die Ewigkeit ist es nicht.

Es ist die Zeit der Stille, oder etwas, dass dich begreift oder jemand, der seinesgleichen sucht zu finden, für eine Hand voll der Momente, um ihrer Vergänglichkeit zu entfliehen.
Es ist die Zeit. Sie ist vorüber.

Roter Mond

Es ist der Schrei in der Nacht,
der mein Herz zerschmilzt,
wenn heiße Marinade den Zucker schmilzt,
Am Tage als ich Dir in die Augen sah,
als wir uns nicht mehr begegneten.
Denk daran, wie nah ich Dir bin.
für Chapi († 1989)

abschied läuten
von einem freund
auf blauen meeren
leben lieben hoffen
ereignisstrudeln
zu entrinnen

Das Wort

Am Anfang war das Wort
dazwischen war das Wort
In der Mitte war das Wort
dazwischen war das Wort
Am Ende war das  f    o      r          t

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